Samstag, 14. Februar 2009

TITICACASEE

Seit Bolivien im chilenisch-bolivianischen Krieg den Pazifikzugang verloren hat, ist der Titicacasee auf 3800 Metern Hoehe Heimat und letztes Refugium der (nunmehr traurig dahinduempelnden) bolivianischen Marine. Daneben und vor allem aber auch eine echt pralle Natur- und Kultur"staette". Wir machen in einem klapprigen Bootsbottich eine Rundreise und besuchen die Inseln Taquile und Amantaní sowie die schwimmenden (weil aus Schilf gebastelten) Inseln "Los Uros".


Die schwimmenden Inseln "Los Uros". Natuerlich in erster Linie Touristenattraktion. Die Einwohner ernaehren sich von Schilf und Freundschaftsbaendern; sprechen Quechua.


Taquile. Tranquilo.


Ein Geschaeft kommt trotz aller Bemuehungen nicht zustande. Ein anderes Mal; versprochen!



Rueckreise nach Puno. Im Hintergrund ist schon die Skyline zu sehen.



Paula und Juana brechen jetzt gen Sueden auf. Ich werde ein paar weitere Tage bleiben.

FIESTA II

Erinnerungsfoto vor dem Haus von Marielas Familie. Stolz traegt auch ein Oso das Wappen der Heimfelder Dynamo auf (oder vielmehr: unter) der Brust.


Die "Zentralistas".



Timing! Fiesta! Stickige Silberminen existieren nur in der schmutzigen Phantasie...!?


Die gruenen Diableses gehoerten zu unserem Zug.



Auch PNP.


FIESTA I

Also, das sind Paula (links) und ich (rechts).


Unbekannt (Links) und Mariela (rechts).


Mein Pelzkostuem erweitere ich um textilgewordene Symbole peruanisch-deutscher Freundschaft.



Waehrend der zwei Tage waehrenden Hauptfestivitaeten machen wir eine Koreographie im Stadion von Puno und einen mehrstuendigen (FUESSE ZERSTOERENDEN) Umzug ("pasacalle") durch die Stadt. Unten zu sehen meine Oso-Brueder und ich nach dem Auftakt im Stadion.


Ganz Puno feiert? GANZ Puno feiert. Und halb Peru findet sich dafuer hier ein.

PUNO - CENTRO FOLKLORICO DE PERU

Boese duestere Mienen in Potosí? Der Zynismus des Seins verschreibt auf Dauer Angenehmeres. Ich lege ein paar Tage Rast in Puno bei Mariela und ihrer Familie ein. Paula kommt auch vorbei. Die Rio IV- Connection also wieder unter sich. Trotzdem; die ersten Tage werden anstrenged, denn die Vorbereitungen fuer die "FIESTA DE LA VIRGEN DE LA CANDELARIA" gehen schon bald los.


Grosse Tafel. Paula nebst ihrer Freundin Juana sind auch ueber die Feiertage in Puno. Vlnr.: Juana, ich, Juan Carlos, Hugo, Flavia, Megui, Mariela und mit der Kamera in der Hand, also nicht zu sehen: Unsere Paula. Zu trinken: INCA COLA.


Das sind meine Kumpel die Osos. Mariela, Paula und ich tanzen mit den Tanzgruppe der Polizei von Puno. Wir zum Beispiel bestehen aus rund 400 Leuten, ein Gutteil davon mit schweren, lauten Instrumenten bewaffnet. Uebrigens meine Kumpel deswegen, weil ich auch als Oso getanzt habe.


Die Disziplin der Polizeitanzgruppe ist beeindruckend. Vielleicht kommt das auch daher, dass die meisten der Jungs und Maedels in der Kaserne leben und ausgebildet werden. Beim Beineschwingen hilft das genau wie beim Koltschwingen, die Seargents schwoeren mit erheiternd ernst gemeinten Reden auf einen Sieg beim Tanzwettstreit ein.


Schon Tage vor Beginn der wirklichen Festivitaeten ist die Stadt im Ausnahmezustand. Die karnevalistisch ueberschwingende Stimmung ist weder in Worten noch Fotos zu veranschaulichen. Im Bild zu sehen: Ein kleiner Probeumzug durch die Strassen Punos.


BIENVENIDOS A POTOSÍ

Nach Norden reisend, mache ich Halt in Potosí. Im Geschichtsunterricht, erinnere ich mich, haben wir damals am Beispiel der Silberminen von Potosí die ruecksichtlose und menschenverachtende Art der spanischen Eroberer den Kontinent auf der Suche nach Reichtuemern auszubeuten, besprochen. Was ich lange nicht wusste; noch heute schleppen einige tausend Bolivianer unter erbaermlichsten Arbeitsbedingungen Silber aus dem "Cerro Rico" ans Tageslicht. In dem hunderte Kilometer langen Kriechtunnelnetzwerk des Berges wurden zu Kolonialzeiten millionenfach Zwangsarbeiter hingerichtet, die Lebenserwartung der armen Teufel, die heute von der Corporacion Minera de Bolivia "bezahlt" werden, kann nur unwesentlich beser sein. Gringofeeling pur, wenn man zwischen schuftenden Halbskeletten mit den Backen voller Koka entlangflaniert und das dann Erfahrung machen nennt.


Bienvenidos. Heute schon gestorben?
Das im unteren rechten Bildrand mit "SI" beworbene Referendum ueber seine Praesidentschaft und eine irgendwie geartete Verfassungsaenderung ueber den Privat- und landbesitz hat Evo Morales uebrigens juengst gewonnen.



Das ist der Tunnel, den wir besuchen.


Mit drei Cordobeses und einem Amerikaner machen wir uns auf, ein wenig schlechte Luft zu schnappen.


100% handmade.

MIT MARCEL NACH BOLIVIEN

Man denke sich zum letzten genannten Aufenthaltsort nun einige Naechte in schaukeligen Bussen und 5000 Kilometer hinzu und gelange nach Calama (Nordchile); dort - oft genug glaube ich es selbst noch kaum - treffe ich dann wen? MARCEL in Person! In meine persoenliche Hitliste der unmoeglichen Zufaelle wird nun die Tatsache aufgenommen, dass Marcel, der nach meinen letzten Informationen eigentlich meine Abloesung in Patagonien sein sollte, und ich uns so mir nichts dir nichts, nach wochenlanger Kontaktpause in der Atacamawueste in Calama in die Arme laufen! Nun, damit waeren auf jeden Fall die eifrigsten Studenten Rio Cuartos ("Los Borrachos") wieder vereint; auf nach Bolivien!


Unser Wiedersehensbierchen. Ob es wohl dabei bleibt?



Von gewissen Anpassungsschwierigkeiten - wir bewegen uns hier immerhin konstant auf rund 4000 Metern Hoehe - begleitet, rauschen wir durch andere Welten. Gruene Lagunen. Weisse. Rote. Giftige. Salzige. Vulkane. Koka.


Der Sonnenaufgang in der Salar de Uyuni. Es ist vergleichsweise schwierig, die Wirkungskraft eines 12.000 Qkm grossen Salzspiegels und der darueber aufgehenden Sonne auf ein uebermuedetes Gemuet zu beschreiben. Ich bleibe auf jeden Fall lange sitzen.


Das ist eine Kaktusinsel aus Vulkangestein, die sich aus dem Salz erhebt. Und uebrigens keine kranke Phantasie!


In Uyuni, Bolivien, angekommen nehmen wir uns die Zeit, den oertlichen Eisenbahnfriedhof zu besuchen, der als echte Aktraktion gelten kann. Von dort aus reise ich, nach vier genialen, marceligen Tagen, alleine weiter Richtung Norden; rechtzeitig zur "FIESTA DE LA VIRGEN DE LA CANDELARIA" muss ich in Puno, Peru, sein!

Montag, 19. Januar 2009

DAS MICALVI

Waehrend meiner nun wohl zweimonatigen Reise durch den Kontinent ist mir kein Abschied so schwer gefallen, wie der von Puerto Williams, von der Isla Navarino. Schwer auch, weil ich hier meinen ersten Job gefunden hatte: Im Micalvi, der tollsten Kneipe vom Ende der Welt.

Also; wer in die Antarktis segelt, oder gerade aus der Antarktis kommt und zum Aufwaermen nach Panama oder Brasilien will, der macht Halt in Puerto Williams und kehrt ein im Micalvi. Und die Leute dort hatten einfach viel zu wenig JJ Cale gehoert, ... bis meine Festplatte (die ich ja wie einen sich staendig mit der Musik der Welt fuellenden Schatz tief, tief im Rucksack trage) eingesegelt kam. Ich heuere also als DJ an und werde (voellig ohne jede Umwege) in Bier und Pisco Sour bezahlt. Achja: Und in dieser Kneipe kursieren WIRKLICH spannende Geschichten!



Ein Foto vom "Deck" der Kneipe. Die Kneipe ist in ein altes Schiff gebaut, welches gleichzeitig auch als Anleger fuer die ein- und auskommenden Segler dient.


Der alte Kahn liegt mit Schieflage auf dem Grund des kleinen Hafenbeckens und schnell findet man heraus, dass man gegen die Schieflage einfach nur antrinken muss. Ein Glueck, dass es Pisco Sour gibt.


Meine Arbeitskollegen. Ricardo und Anibal (die Jungs aussen) machen auf der Insel ein Forstwirtschaftspraktikum und haben natuerlich sofort den Braten gerochen und sich den bestmoeglichen Nebenjob verschafft; klar im Micalvi. Das ging auch deswegen so gut weil die Frau vom Chef (Francisco, der in der Mitte) gerade im Urlaub im Warmen war.



Hier ist der Beweis, dass ich auch wirklich hart gearbeitet habe fuer mein "Geld".



Am Morgen (oder wahrscheinlich eher am Mittag) an Deck des Micalvi.

PUERTO WILLIAMS

Ich lungere einige Tage im Hafen von Ushuaia herum und habe Glueck: Eine polnische Antarktisexpedition nimmt mich die 50 Meilen bis Puerto Williams, auf der Isla Navarino, mit. Damit komme ich also an; suedlich von mir liegt nur noch Kap Horn, wohin von Ushuaia aus taeglich randvolle Blechdosen zum grossen Fotomachen ablegen und ich beschliesse: Das schenke ich mir, weiter wird es nun nicht mehr gehen. Ich bin am Ende meiner Reise nach Sueden angelangt.


Abschied (der mir im Uebrigen alles andere als schwer faellt) von Ushuaia.



Die Jungs sind so freundlich und leihen mir eine gute Jacke; bei den eisigen Winden in der Beagle Bucht haette ich ohne die ganz schoen alt ausgesehen.



Bug voraus: Puerto Williams; suedlichste Stadt, suedlichstes Dorf, was auch immer, der Welt.





Diese Blechdaecher (ich fotografiere von der Veranda meines Bed&Breakfast) sind sehr typisch fuer Puerto Williams.



Ein paar alte Dampfer.

USHUAIA, ... UND JETZT?

Kommt man nun also noch weiter, als bis in den Souvenirshop-EndOfTheWorld (Ushuaia) oder wars das? Ushuaia selbst ist zwar schoen, aber dafuer der weite Weg?


Der voellig hirnverbrannte und sinnlose Krieg um die Islas Malvinas (besser bekannt als Falkland-Islands) hat tiefe Spuren im Kollektivgedaechtnis hinterlassen (s.o). Auesserst interessant ist uebrigens, dass sich rein historisch-moralisch (zumindest in der argentinischen Bevoelkerung) noch keinerlei Position mit Deutungshoheit durchgesetzt hat und vielmehr durch alle Schichten die unterschiedlichsten Positionen vertreten werden.

Ushuaia, vom Hafen aus gesehen.



Dies ist die argentinischste argentinische Flagge, die ich je gesehen habe. Welchen Eindruck sie wohl auf Halbmast vermittelt...?



Von der Hafenmole aus fotografiertes Sonnenspektakulumszeug.


Bin zum Duschen mal wieder in ein Hostel eingecheckt. Dafuer war die Sicht ausm Fenster aber wirklich genial.

VON RIO GALLEGOS BIS USHUAIA

Also, von Rio Gallegos nach Ushuaia. Ein Blick auf die Karte lohnt sich wirklich sehr! Hier kommt naemlich folgende Kuriositaet ins Spiel: Will man von Santa Cruz ("zweit-suedlichste" Provinz Argentiniens) nach Tierra del Fuego (suedlichste Provinz Argentiniens) reisen, muss man dafuer durch einen Zipfel Chiles durch. Es geht nicht anders. Nuuun; die Argentinier und die Chilenen sind, man kann es wohl so sagen, in einigerlei Hinsicht, manchmal, zumindest vereinzelt, aber ganz pauschal gesagt: Manchmal einfach nicht so gut aufeinander zu sprechen. Kann aber auch alles nur ein boeses Geruecht sein. Wie dem auch sei; um also von R. Gallegos nach Ushuaia zu kommen, muss man aus-, ein- wieder aus- und wieder einreisen. Die Chilenen haben fuerchterliche Angst vor verkeimtem Gemuese und so muss man eine vollstaendige Gepaeckdeklaration sowie in aller Regel -visitation ueber sich ergehen lassen. 4 Stempel, viermal ewig lange warten und gefunden haben sie meine aus blossem Trotz im Laster versteckten Tomaten dann trotzdem nicht. Egal. Ich habe sogar noch Glueck, wie sich herausstellt, denn die Busse muessen noch viel laengere Wartezeiten in Kauf nehmen und da fuehle ich mich auf meinem Laster (Fracht: Bier!) sehr, sehr viel wohler. Die 450 Kilometer erscheinen durch den fuerchterlichen Zustand der Strasse im chilenischen Teil noch laenger, als sie es ohnehin schon sind. Nach einhelliger Meinung der argentinischen Camioneros (LKW-Fahrer) dieser Gegend (und ich habe mit vielen gesprochen!) ist der Strassenzustand auf der chilenischen Seite im uebrigen nichts als blosse Schikanierung durch die boese, boese chilenische Regierung. Ich halte mit meiner Meinung hinterm Berg und geniesse meine erste Nacht in einer Lasterkajuete, da die rostige, rostige argentinische Motorkuehlung mitten in Tierra del Fuego ihren Geist aufgibt...



Selbstportrait. Noch in voller Fahrt.

Feuerland selbst ist eine Insel. Man muss mit der Faehre (Fahrtzeit rund 20 Minuten) ueber die (man kennt sie noch aus der Schule...) gute alte Magellanstrasse uebersetzen.


Angekommen in Feuerland.


Die Grenzstation nach Argentinien, Tierra del Fuego (Provinz).



Im suedlichen Teil der Insel Feuerland findet sich auch wieder eine sehr, sehr spannende Vegetation.